Geschichte

Ursprung der Methode der Workshops

Fr. Lapsley entwickelte die „Healing of Memories Workshops” ursprünglich während er das Seelsorge Projekt des „Trauma Centre for Victims of Violence and Torture“ leitete. Die Konflikte in Südafrikas Vergangenheit hatten eine tief gespaltene Gesellschaft hinterlassen, in der viele Menschen unter den traumatischen Erfahrungen der Apartheid litten. Seine eigenen Erfahrungen im Exil in Zimbabwe und als Opfer eines Briefbombenattentats der südafrikanischen Regierung im April 1990, bei dem er beide Hände und ein Auge verlor, prädestinierten Fr. Lapsley für die Arbeit mit Überlebenden am Trauma Centre. Bei seiner Seelsorgearbeit erkannte er bald, welche Bedeutung es hat, den Opfern Raum zu geben, in dem sie ihre Geschichten erzählen konnten und Würdigung erfuhren. So entwickelte er „Healing of Memories Workshops”, um Opfern und Überlebenden des Apartheidregimes eine alternative Form der Unterstützung zuteil werden zu lassen.
Während der Arbeit der Wahrheits- und Versöhnungskommission (Truth and Reconciliation Commission, TRC) von 1996 bis 1997 wurde deutlich, dass nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung die Gelegenheit haben würde, ihre Geschichten vor der Kommission zu erzählen. Es wurden Möglichkeiten gefordert, damit es alle Südafrikaner/innen erlauben ihre Geschichte zu erzählen können und eine Würdigung dieser Geschichte zu erfahren. Die „Healing of Memories Workshops” liefen parallel zu den Anhörungen der TRC, um den Prozess der Versöhnung zwischen den verschiedenen ehemals rassisch getrennten Gruppen der Gesellschaft zu unterstützen und psychische Verletzungen zu heilen. Ziel der Workshops war es, Menschen mit tiefen Verletzungen zu befähigen, sich am Aufbau einer neuen und gerechteren Gesellschaft in Südafrika zu beteiligen. Gleichzeitig wurden die Workshops genutzt, um Menschen, die während ihrer Zeugenaussage vor der Kommission zusammenbrachen, Halt und Unterstützung zu geben.

Weitere Zielgruppen

Die Nachfragen nach „Healing of Memories Workshops” kamen aus verschieden Bereichen und machten deutlich, dass sie ein Potential haben, das weit über ihren ursprünglichen Zweck, Wunden de Apartheid zu heilen, hinausging. Die Organisationen, die die Workshops nutzen, reichen von Initiativen, die mit minderjährigen Prostituierten arbeiteten, bis zu solchen, die Opfer von häuslicher Gewalt und Missbrauch betreuen. Studierende der Sozialarbeit und Sozialarbeiter/innen nutzen die Workshops, um ihre Fähigkeit zu entwickeln, mit emotional schwierigen Situationen in den Gemeinschaften umzugehen. Flüchtlinge sind eine weitere wichtige Zielgruppe geworden und zu den Flüchtlingsorganisationen in der Provinz Westkap sind starke Verbindungen gewachsen. Gefängnisverwaltungen haben Workshops entdeckt, um die Resozialisierung von Häftlingen zu fördern und dem Konzept ausgleichender Gerechtigkeit (restorative justice) eine Grundlage zu geben. PACSA, (Pietermaritzburg Agency for Christian Social Awareness) arbeitet daran, in der Provinz KwaZulu Natal „geschützte Räume” für Menschen die von der AIDS-Pandemie betroffen sind zu schaffen, in denen sie über ihre Leiden sprechen und Widerstandskräfte entwickeln können. PACSA bringt vor allem Großmütter in die Workshops, die erst ihre Kinder durch die politische Gewalt des Apartheidsystems und jetzt durch Aids verloren haben. Nun sorgen sie für ihre verwaisten Enkel. Sie tragen vielfache Verletzungen mit sich, die in den Workshops Thema werden.

Internationale Workshops und Gespräche

Fr. Michael ist zu einem international bekannten Anwalt für Versöhnung, Vergebung und ausgleichende Gerechtigkeit geworden. Unter den Einladungen zu Vorträgen waren u. a. solche der Familien der Opfer des Attentats vom 11. September, zum 10. Jahrestag des Bombenanschlags von Oklahoma oder zum 1. Internationalen Kongress für Notfallseelsorge und Krisenintervention im Rahmen der INTERCON 2007. Workshops haben inzwischen in den USA, Australien, Großbritannien, Irland, Ruanda, Zimbabwe und Deutschland stattgefunden.

Vision

Das “Institute for Healing of Memories” möchte zum Weg der Heilung von Einzelnen, Gemeinschaften und Nationen beitragen.

Mission

Das Institut ist folgenden Zielen verpflichtet:
Unterstützung des Prozesses der Heilwerdung von Individuen und Gemeinschaften in Südafrika und international
Erinnerung der Apartheidjahre und Heilung der Wunden dieser Zeit Ausgleich der Vergangenheit durch die Feier dessen, was Leben spendet und Begraben dessen, was Leben zerstört
Zusammenarbeit mit denen, die unsere Vision teilen.

Methode

Wir tun dies, um Menschen auf ihrem Weg zu Heilwerdung und Ganzheit /Ganzsein in einem geschützten Raum zu unterstützen.
Wir machen „Healing of Memories”-Angebote wie Workshops, Seminare, Gespräche und Predigten.
Wir entwickeln Modelle für den Umgang mit Emotionen wie Ärger, Hass und Schuld und entwickeln Prozesse, die zu Versöhnung und Vergebung führen.
Wir sind bemüht, inklusiv und respektvoll mit Verschiedenheit, unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften und religiöser Vielfalt umzugehen.

Grundsätze

Wir glauben, dass alle Menschen:
geistliche Geschöpfe und von unendlichem Wert sind ,
gemeinsam Verantwortung für die Vergangenheit und den Umgang mit ihr tragen und in der Lage sind, sowohl Opfer als auch Täter zu sein,
sich der Vergangenheit und sich selbst stellen sollten.

Ziele

Unser vorrangiges Ziel ist es, zum Weg der Heilwerdung von Individuen, Gemeinschaften und Nationen beizutragen.
Die Ziele eines „Healing of Memories Workshop”:
Auf der persönlichen Ebene bietet die Teilnahme an einem „Healing of Memories Workshop” einen erfahrungsbezogenen Weg, Gefühle von Zorn, Hass, Vorurteile und Schuld zu überwinden und einen positiveren Zugang zur Bedeutung von Leiden zu kommen. Sie kann daher als ein Schritt auf dem Weg zu psychischer, emotionaler und spiritueller Heilung und Ganzheit verstanden werden.
Auf gemeindlicher, nationaler oder internationaler Ebene legen die Workshops offen, wie die Geschichte eines Landes und die sich daraus ergebende sozio-politische Umgebung persönliche Gefühle und Ansichten geformt haben. Diese Prozesse führen zu einem wachsenden Einfühlungsvermögen in die Erfahrungen Anderer und haben das Potential zu Versöhnung, Vergebung und zur Veränderung der Beziehungen zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen, Rassen, Kulturen, Religionen und Nationen zu führen.

Die Workshops

Das „Institute for the Healing of Memories“ (IHOM) ist eine Antwort auf die emotionalen, psychologischen und spirituellen /geistlichen Wunden, die Nationen, Gemeinschaften und Einzelne durch Krieg, unterdrückerische Regime, Menschenrechtsverletzungen und andere traumatische Erfahrungen zugefügt wurden.
Emotionale Wunden bleiben oft sehr lange und behindern die emotionale, psychologische und spirituelle Entwicklung eines Menschen. Standpunkte und Vorurteile haben sich aus Zorn und Hass zwischen verschiedenen Gruppen entwickelt und können zu Konflikten und einer Spirale der Gewalt führen.
Jeder „Healing of Memories Workshop” ist ein kleiner aber wirkungsvoller Schritt in Richtung auf eine Heilung der Wunden der Vergangenheit. Wir durften feststellen, das ein „Healing of Memories Workshop” nicht nur ein Beitrag zur persönliche Heilwerdung ist, sondern auch die Beziehungen zwischen Menschen wieder herstellen kann.
Die Kraft der Workshops liegt in ihrer erfahrungsbezogenen, interaktiven Natur und ihrer Betonung des emotionalen und geistlichen, eher als des intellektuellen, Verstehens und der Interpretation der Vergangenheit. Durch die Erkundung ihrer persönlichen Geschichten, fühlen sich die Teilnehmenden erleichtert und erlangen als Gruppe Einsicht in und Mitgefühl mit den Erfahrungen der Anderen. Diese Prozesse legen den Grund für Vergebung und Versöhnung zwischen Menschen mit verschiedenen Erfahrungshintergründen, Rassen, Kulturen und Religionen.

Youth Development Programme

Südafrikas Wunden, die eine getrennte Vergangenheit mit tief wurzelnden Ungleichheiten hinterlassen hat, heilen nur sehr langsam. Noch immer leiden viele Menschen Not. Während in vielen Teilen der Welt Friedensinitiativen starten, gibt es auch eine um sich greifende Kultur der Gewalt. IHOM bietet Jugendprogramme an, um das Verständnis für Frieden und Menschenrechte zu entwickeln, angesichts von gewaltsamen Konflikten und Menschenrechtsverletzungen, die nicht nur Vergangenheit sind, sondern auch im 21. Jahrhundert zum Alltag in vielen Teilen der Welt gehören.

Das Ziel des „Youth Development Programme” des Institutes ist es, jungen Südafrikanern dabei beizustehen etwas über die und aus der Geschichte des Landes zu lernen. Dazu gehört es:

  • ein Bewusstsein bei jungen Südafrikanern/innen für die soziale und politische Apartheid und die Unterdrückung in der Vergangenheit ihres Landes zu schaffen und sie für die Auswirkungen, die das auf seine Menschen hatte, zu sensibilisieren,


  • bei jungen Südafrikanern/innen das Wissen und ein Verstehen für die Verletzung der Menscherechte in den Apartheidjahren und die Tapferkeit derer, die sich diesem System mit dem Ziel eine demokratische und friedliche Gesellschaft zu schaffen, zu vermehren,
junge Südafrikaner/innen zu motivieren, sich aktiv an der Gestaltung einer Gesellschaft zu beteiligen, die Menschenrechte, Gerechtigkeit und Gleichheit für jedermann unabhängig von Rasse, Kultur, ethnischer Zugehörigkeit oder Religion verteidigt.

06.08.2008 / Michael Dülge